
Alt-Taxiarchis
Ort: Mesta.
Die Dorfbewohner von Mesta besaßen die Kirche Alt-Taxiarchis als ihr
zentrales Gotteshaus schon vor dem Bau der so genannten Kathedrale "Groß-Taxiarchis".
Eine Straße, die auf dem zentralen Platz des Dorfes beginnt, führt zu dieser
Kirche. Die "proskynima", die Kuppel mit der Ikone und der hängenden Öllampe
befindet sich an der Straße, die zur alten Taxiarchis-Kirche führt. Diese wurde
1412 errichtet, wenn man sich an der Studie zu den Kirchen der Insel Chios
orientiert. Zu Beginn war es ein sehr kleines Bauwerk und hatte nur Bögen und
einen Gang, doch da es letztlich die ganze Gemeinde Mesta versorgen musste,
beschloss man, einen zweiten Gang und ein geeintes Dach hinzuzufügen. Dieser
Ausbau wurde 1794 vorgenommen.
Der Eingang der ersten Kirche war die kleine Tür,
die sich auf der rechten Seite des heute genutzten Einganges, ganz in der Nähe
der Kirche St. Vassilios, befindet. Aufgrund der blinden Apsis und dem Steinwerk
außerhalb erkennt der Besucher auch heute noch den älteren, ursprünglichen Teil
des Gebäudes. Während des Großen Massakers von Chios im Jahre 1822 durch die
türkischen Besetzer wurden irreparable Schäden an der Innenausstattung des alten
Teiles der Kirche verursacht. 1833 wurden Teile der Kirche repariert, aber eine
komplette Restaurierung war nicht möglich. Viele wertvolle Schätze gingen so
verloren.
Die Ikonenfront der Kirche ist wahrlich wunderbar.
Sie ist komplett handgeschnitzt aus einem Baumstamm eines Walnuss-Baumes.
Momentaufnahmen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen die exzellenten
Fertigkeiten der lokalen Künstler in der Schnitzerei. Die Ikonenfront wurde am
14. April 1833 in der Kirche aufgestellt. Alle Werkzeuge, die zur Kreuzigung
Jesu benötigt wurden, sind fein auf dem höchsten Punkt unter dem gekreuzigten
Christus dargestellt: eine Leiter, eine Zange und ein Hammer. Von links nach
rechts im nächsten Bereich unter den Szenen aus dem Neuen Testament sind
Christus und seine zwölf Jünger, die Kreuzigung, das Abnehmen des Leichnams vom
Kreuz und die Auferstehung vom Tode zu sehen.
Die
Sonne ist sauber eingearbeitet und sticht durch ihre präzise Konstruktion über
dem zentralen Teil des Bildnisses hervor - ein Zeichen der großen Inspiration
des Künstlers, das sicher die Strahlkraft des christlichen Glaubens - stark wie
die Sonne - zum Ausdruck bringen soll. Gleichzeitig werden wir an Jesu Worte
erinnert: "Ich bin das Licht der Welt." Szenen aus dem Alten Testament schmücken
den unteren Teil der Ikonenwand. Von links nach rechts ist zu sehen: die Ursünde
Adams und Evas mit der Schlange und dem Apfel sowie Abraham, der letztlich
anstelle seines Sohnes Isaak doch ein Schaf opfert.
Die Tatsache, die diese Kirche zu einer
patriarchisch privilegierten machen, ist der zweiköpfige Adler, der auf die Wand
zwischen der Ikonenfront aufgemalt ist und die Gebäude um die Kirche herum mit
der "proskynima", der Kuppel, verbindet. Es verdeutlicht, dass dieser
Häuserverbund einmal ein Kloster beherbergte, das seine eigenen
Verteidigungsanlagen besaß.