GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK
Chios´ Geschichte führt bis in die Bronzezeit
zurück und folgt zu verschiedenen vorhellenistischen Völkern, die auf der Insel
siedelten. Jason, der sagenhafte Held der Argonauten soll auf der Insel gerastet
habe, als er in das weit entfernte Phrygien reiste. Aber auch Christopher
Columbus soll über zwei Jahre hier verbracht haben.
Der erste Einwohner und der erste König der Insel
Chios, der Mythologie nach, soll Inopion, der Sohn von Dionysos und
Adriane, gewesen sein. Er soll vom günstigen Klima der Insel angelockt worden
sein und einen Tempel beim heutigen Fana Akrotiri errichtet haben. Eine andere Version besagt, dass er der Sohn von Theseus, dem
König von Athen, und Adriane war. Adriane, die aus Kreta kam, lehrte den Einwohnern, wie
man Wein anbaute. Der Name Chios kommt wohl von Chiona, der Tochter von Inopion.
Andere Geschichten erzählen, der Name stamme von
Hios, dem Sohn des Poseidon. Bei dessen Geburt sei so viel Schnee (griechisch =
chioni) gefallen, dass man seine Geburtsstätte
danach benannte. Eine weitere Legende besagt, dass der Name von den Phöniziern aus Syrien
kommt und Chios bei ihnen "mastiha" heißt. Noch heute ist
umstritten, welche der drei Ursprünge wohl der wahre ist.
Die Insel wurde schriftlich das
erste Mal in einem Atemzug mit vielen anderen Inseln, Pitioussa, Makris, Aethalea und Ofioussa,
genannt. Archäologische Funde beweisen, dass die Insel seit 6000 v. Chr. bewohnt ist.
Vom Bronzezeitalter bewohnt wurde die Insel später von den
Ioniern besiedelt. Sie war eine der 12 griechischen Stadtstaaten Kleinasiens die
die Panionische Dodekapolis bildeten.
Zwei der längsten Geschichten der Welt, die Illiade und die
Odyssee, sollen vom blinden Dichter Homer auf der Insel Chios verfasst worden
sein. Darin werden die spannenden Abenteuer großer Krieger erzählt. Man weiss
nicht viel über Homer, und noch steht nicht fest, ob er alle diese Gedichte
selber geschrieben hat. Es ist nicht einmal sicher, ob solch ein Mann überhaupt
existiert hat. Ursache für den Mangel an Informationen, ist, dass zu jener Zeit
Dichter singend von Ort zu Ort zogen, um ihre Gedichte aufzusagen und Nahrung zu
erbitten. Bewiesen ist, dass einige von Homers Gedichten vor 2500 Jahren in
Sparta vorgetragen wurden. Alexander der Große soll ein großes Interesse an
Homers Gedichten gehabt haben. Homers Stil wurde von manchen Dichtern übernommen
und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.
Im 7. Jhd. vor Chr. gründet Malas die berühmte Skulpturschule
von Chios, an der viele Bildhauer, wie Mikkiades, Bupalos, Archermos, Athenis
und Glavkos unterrichteten. Glavkos soll als erster auf Chios Statuen aus Zinn
gegossen haben. Die Werke von Dexamenos sind heute in den Museen der ganzen Welt
zu bewundern.
Die Stadt Chios wurde wohl schon etwas
früher als die erste ionische Kolonisation um 1000 v.
Chr. gegründet und
entwickelte sich zu einer der bedeutensten Städte der antiken Zeit. Chios hatte
eine große Handelsflotte und exportierte
vor allem seine eigenen landwirtschaftlichen Produkte. Im 16. Jahrhundert war Chios die größte Stadt
der Gegend mit einer Einwohnerzahl von etwa 60.000 bis 80.000 Einwohnern (Sklaven
nicht mitgezählt).
Als Chios Mitglied des Attischen Seebundes unter Führung der Athener wurde, hatte
es seine eigene, freie Regierung. Oft wurde die Stadt zerstört und
wieder errichtet. Durch Schifffahrt und Handel erreichte die Stadt extremes
Reichtum. Athineos erwähnte die guten Kochkünste der Chioten, Thoukidides sah
die Einwohner von Chios als "die reichsten unter den Griechen" und pries die Insel und ihre Stadt.
Während des Peloponnesischen Krieges kämpften die Chioten
erst auf der Seite der Athener. Nach der Niederlage in Sizilien wechselten sie
die Fronten und liefen über zu den Spartanern. Die Spartaner führten die
zehn Tyrannen ("dekarhia") und einen Führer
auf der Insel ein, so dass Chios Tyrannei und
Gewaltherrschaft über sich ergehen lassen musste. Die
Stadt verlor all ihre Schiffe, die von den Spartanern übernommen wurden. Unter diesen
Umständen bereuten sie die Loslösung von den Athenern ziemlich schnell.
Mit der Besetzung der Insel
durch die Genuaner 1346 begann eine
neue Periode. 1566 wurden die Genuaner von den Türken vertrieben, die die
Insel weitere 350 Jahre besetzt hielten (1566-1912).
1821 erhoben die Chioten eine Revolte gegen die Besetzung der Ottomanen.
Nach 400 Jahren Sklaverei im eigenen
Land nahmen die Griechen ihren Mut zusammen und beschlossen für ihre
Unabhängigkeit zu kämpfen.
Am Anfang nahm Chios noch nicht an den Unabhängigkeitskämpfen
teil. Auf der Insel lebten friedliche Menschen, die ihr Leben dem Anbau
von Mastiha widmeten. Dieses Produkt wurde an die Sultane verkauft.
Die Nachfrage war groß, und so bekamen die Einwohner von Chios
einige Privilegien zugesprochen. So mussten sie etwas weniger unter dem Regime leiden.
Trotz dieser Privilegien hatten die Einwohner etwas gegen die Ottomanische Fremdherrschaft und rebellierten. Im März 1822
kam der Kommandeur Likourgos Logothetis von der Insel Samos mit seiner Armee von 2.500 Mann und verdrängte die Türken
von der Insel.
Daraufhin schickte der Sultan eine
große Flotte unter der Führung des berüchtigten Kommandeurs Kara-Ali, um Chios
zurückzuerobern und die Einwohner Chios' dafür zu bestrafen. Kara-Ali ging sehr
brutal vor und tötete viele Chioten, versklavte oder folterte sie.
Binnen nur kurzer Zeit sank die
Einwohnerzahl der einst so prächtigen Insel von 100.000 auf 3.000. 40.000
Personen gelang es, auf Nachbarinseln zu fliehen.
Die Nachricht des grausigen Massakers erreichte den Rest Griechenlands und die Nachbarstaaten ziemlich schnell. Die
ganze Welt sah nun ein, wie wichtig eine Unabhängigkeit Griechenlands ist.
Aber es kam noch schlimmer, als ein schweres Erdbeben 1881 das Wiedererrichtete ein weiteres Mal hinraffte. Diese
nächste Folge in der schier unendlichen Serie der Zerstörungen der Insel
brachte das Fass der Wut endgültig zum Überlaufen. So schworen sich die Chioten
nun, Rache an der Armee von Kara-Ali zu nehmen.
Der Führer des Gegenschlags war
Konstandinos Kanaris, Marine-Kommandant von der Insel Psara.
Die feindliche Flotte errichtete ihren Stützpunkt nach der
Zerstörung im Hafen von Chios Stadt. 
Auch wenn es Kanaris gelang, die Kriegsschiffe der Türken
zu zerstören, verblieb Chios unter türkischer Besetzung. Man versuchte, die
Wirtschaft wieder aufzubauen.
Am 4. Juni 1882
geschah Unvorhergesehenes: Die Krieger Kanaris und Pipino
umstellten die Schiffe der Türken und setzten sie in
Brand. Die Fliehenden wurden auf der Strecke umgebracht.
Diese Aktion verlieh den Griechen viel
Kraft und Mut für ihren Kampf für die Unabhängigkeit. Nach den Balkankämpfen am 11. November 1912 wurde Chios
endlich frei und mit anderen Städten zusammengeschlossen.
Noch einmal kam Chios unter die Besetzung eines anderen Landes. Am 4. Mai 1941
wurde es von den Deutschen eingenommen. Drei Jahre später, am 10. September 1944,
wurde Chios endgültig befreit.